Eine kleine Teereise um den Globus
Als fester Bestandteil des täglichen Lebens ist Tee in den Traditionen vieler Länder und Völker der Welt fest verwurzelt. Im Laufe der Zeit haben sich in verschiedenen Regionen – von China über Zentralasien bis nach Ostfriesland – eigene Teekulturen mit spezifischen Merkmalen und historisch gewachsenen Eigenarten entwickelt. Diese prägen Geschmacksvorlieben, Herstellungsverfahren, die Art der Zubereitung und nicht zuletzt den gesellschaftlichen Stellenwert von Tee. Die Verbreitung von Tee wurde maßgeblich durch historische Handelsrouten beeinflusst: Schwarzer Tee kam lange auf dem Landweg aus Asien, weshalb er auch als „russischer Tee“ bezeichnet wird.
Im folgenden Beitrag stellen wir Ihnen die wichtigsten Teekulturen vor und entdecken gemeinsam, wie vielfältig der Genuss von Tee rund um den Globus gelebt wird.
Ein kurzer Hinweis vorab: Wenn wir hier von Tee sprechen, meinen wir den sogenannten „echten Tee“. Dieser Begriff umfasst alle Arten, die von der Teepflanze Camellia sinensis stammen – also Schwarzen Tee, Grünen Tee, Weißen Tee, Oolong und Pu-Erh. Kräutertees und Früchtetees zählen streng genommen nicht dazu, sondern gelten als teeähnliche Aufgussgetränke. Mit diesem Thema haben wir uns ausführlich in einem eigenen Blogartikel über den Teestrauch beschäftigt. Nähere Informationen finden Sie außerdem in unserem Beitrag über weit verbreitete Teemythen.
Vermutlich erst im 18. Jahrhunderts entstand die Gongfu-Cha-Zeremonie (deutsch: „mit Geschick zubereiteter Tee“). Diese traditionelle Form der Teezubereitung zeichnet sich durch kurze Ziehzeiten sowie die Verwendung kleiner Kannen und Tassen aus. Mehrere aufeinanderfolgende Aufgüsse erzeugen ein vielschichtiges Aromaprofil, das sich mit jedem Aufguss weiterentwickelt.
Die chinesische Teekultur ist durch eine große Vielfalt an Teearten und -sorten gekennzeichnet, die sich insbesondere hinsichtlich ihrer Verarbeitung unterscheiden. Anhand des Fermentationsgrades wird chinesischer Tee in sechs Hauptkategorien unterteilt:
Durch die stetige Verfeinerung der Zubereitungsmethoden entstand im 16. Jahrhundert eine neue Lebensform: Chanoyu (deutsch: „heißes Wasser für Tee“), die Kunst der japanischen Teezubereitung. Dabei handelt es sich um eine formelle Zeremonie mit Verhaltensregeln und Vorschriften, die Gastgeber und Gäste kennen und befolgen müssen. Über Jahrhunderte diente diese elitäre Praxis der Aufrechterhaltung sozialer Hierarchien, da bloß wenige einen Teeraum bauen und einen Teemeister beschäftigen konnten. Parallel zum prunkvollen Chanoyu der Oberschicht entwickelte sich der schlichtere, spirituelle Stil Wabicha, der Erfüllung in Einfachheit und Unvollkommenheit sucht.
Typisch für die japanische Teekultur sind Grünteesorten wie Matcha („pulverisierter Tee“), Sencha („Tee zum Aufbrühen“) und Gyokuro („edler Tautropfen“). Sie entstehen durch spezielle Herstellungsverfahren wie beschattete Plantagen und die für Japan beispielhafte Verarbeitung von Uji, die auf den Methoden der Song-Dynastie in China basiert. Ein großer Teil des in Japan getrunkenen Grüntees ist Bancha („gewöhnlicher Tee“). Diese milde, koffeinarme und sehr bekömmliche Sorte wird aus den im Zuge der zweiten und dritten Ernte gepflückten Blättern des Teestrauchs hergestellt. Heute wird Tee in Japan vor allem in den gemäßigten Regionen von Honshu, Shikoku und Kyushu angebaut.
Tee scheint hauptsächlich in Ost- und Nordindien heimisch gewesen zu sein, wo er über Jahrtausende angebaut und konsumiert wurde. Die kommerzielle Produktion begann erst mit der Eroberung großer Gebiete durch die Britische Ostindien-Kompanie, als weite Landflächen in Plantagen für den Massenanbau umgewandelt wurden. Die breite Popularität von Tee als Freizeitgetränk setzte in Indien schließlich in den 1920er-Jahren ein.
Zu den wichtigsten Anbaugebieten zählen Assam und Westbengalen sowie Doars im Nordosten, Kangra im Norden und Nilgiri und Munnar im Süden Indiens. In vielen Ländern der Welt bekannt und beliebt sind indische Schwarzteesorten wie der blumige Darjeeling und der kräftige Assam.
Bald setzte sich in Großbritannien schwarzer Tee gegenüber grünem Tee durch – begünstigt durch die sinkenden Preise infolge der Importe der Britischen Ostindien-Kompanie aus Anbaugebieten wie Darjeeling und Assam sowie seine bessere Eignung für das kühle Klima. Das Trinken von Tee mit Milch und Zucker trug zusätzlich zur Beliebtheit des Getränks bei und etablierte sich als charakteristisches Merkmal der britischen Teekultur.
Begleitet von Scones und Clotted Cream und Marmelade werden verschiedene Schwarzteesorten gerne zum Afternoon Tea oder Five-o-Clock-Tea eingenommen. Besonders beliebt sind Schwarzteesorten wie English Breakfast, Earl Grey oder Darjeeling. Obwohl der Ursprung der britischen Teekultur auf den britischen Inseln liegt, verbreiteten sich ihre Trinkgewohnheiten in vielen Teilen des Commonwealth, z. B. in Teilen Afrikas, in Indien und Sri Lanka, woher der bekannte Ceylon-Tee, ein kräftiger Schwarztee, stammt.