Oktober 22, 2025

Samhain, Allerheiligen & Allerseelen – Räuchern zur Ahnenzeit

Samhain, Allerheiligen & Allerseelen – Räuchern zur Ahnenzeit

Die mystische Zeit des Übergangs

Wenn die Tage kürzer werden und sich die Natur zurückzieht, beginnt eine besondere Phase im Jahreskreis: Rund um Samhain (31. Oktober) sowie die christlichen Gedenktage Allerheiligen und Allerseelen (1./2. November) gilt die Grenze zur jenseitigen Welt als besonders durchlässig. Viele Menschen spüren in dieser Zeit eine intensive Verbindung zu ihren verstorbenen Angehörigen. Geprägt sind diese Tage von stimmungsvollen Ritualen und Momenten der inneren Einkehr – oft begleitet vom reinigenden und verbindenden Ritual des Räucherns.


Historische Bedeutung – Räuchern an Samhain, Allerheiligen und Allerseelen


Samhain ist eines der großen Mondfeste im keltischen Jahreskreis. Beginnend am 31. Oktober, zum elften Neumond nach Yule, markiert es den Übergang vom Sommer in die dunkle Jahreszeit. In der Keltologie galt es lange als Neujahrsfest – eine Deutung, die heute umstritten ist. Dennoch hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung die Vorstellung von Samhain als Fest des symbolischen Jahreswechsels bis heute gehalten.

Traditionell stand an diesem Tag das Ahnengedenken im Mittelpunkt. Die christlichen Feiertage Allerheiligen und Allerseelen sind ähnlich ausgerichtet. In den Alpenländern beginnt anschließend jene düstere Zeit, in der die Perchten durch die Dörfer ziehen. Die Bräuche dieser Tage reichen weit zurück – ein direkter Bezug zum keltischen Samhain ist nicht gegeben.

Heute zeigen sich spannende Schnittmengen: In vielen modernen Kulturen nutzen Menschen diese Schwellenzeit bewusst, um ihrer nahestehenden Verstorbenen zu gedenken und über die eigene Vergänglichkeit nachzudenken. Als Momente der Besinnung, Verbindung und Einkehr gewinnen traditionelle Rituale in unserer schnelllebigen Zeit wieder an Bedeutung.


Räuchern als Schwellenritual


Weltweit ist das Räuchern als traditionelles Ritual bekannt. Der aufsteigende Rauch gilt als reinigend, schützend und klärend. In spirituellen Kontexten wird er als Medium verstanden, das mit der Anderswelt Kontakt aufnimmt.

Gerade an Samhain oder den christlichen Gedenktagen wird dem Räuchern eine unterstützende Funktion zugeschrieben: Es soll Räume, Personen sowie Gegenstände reinigen und negative Energien vertreiben. Überdies hilft es, unausgesprochene Gedanken und ungelöste Gefühle gegenüber Verstorbenen zu klären – etwa bei unerwartetem Abschied. In solchen Momenten wird das Ritual zu einem Akt der inneren Versöhnung, der Hinterbliebenen und Verstorbenen Frieden schenken soll.

Das Verbrennen von Kräutern steht zugleich symbolisch für das Loslassen und die Transformation – so wie sich mit dem Beginn der kühlen Jahreszeit auch die Natur zurückzieht, um Raum für Neues entstehen zu lassen.

Für alle, die neu auf dem Gebiet des Räucherns sind, gibt es hier eine kurze Anleitung zum Einstieg.

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Räucherpflanzen für die Ahnenzeit


Ob zum Gedenken, zum Begrüßen der dunklen Jahreszeit oder für eine besinnliche Auszeit – mit dem passenden Räucherwerk lässt sich eine stimmungsvolle Atmosphäre schaffen. Im Folgenden stellen wir Ihnen einige traditionelle Klassiker zum Räuchern an Samhain, Allerheiligen und Allerseelen vor.

Samhain, Allerheiligen & Allerseelen – Räuchern zur Ahnenzeit

Beifuß (Artemisia vulgaris)


Anwendung:
Als eines der letzten Kräuter, die im Herbst geerntet werden, hat sich der Gemeine Beifuß im Alpenraum als typische Räucherpflanze für Allerheiligen/Allerseelen einen Namen gemacht. Traditionell findet er ebenso in den 12 Raunächten sowie zur Wintersonnenwende Verwendung. Zum Räuchern wird das getrocknete Kraut, das kurz vor der Blüte geerntet wird, genutzt.

Eigenschaften:
Beifuß-Rauch gilt als schützend, reinigend und entspannend. Er soll die Intuition stärken und die Selbstheilung aktivieren. Zudem soll er sich als Räuchermittel gut für Übergangsrituale sowie Phasen der Trauer und des Loslassens eignen. Mit seinem würzig-erdigen, leicht wacholderartigen Duft soll er unerwünschte negative Energien vertreiben.

Hinweis: Beifuß sollte nicht von empfindlichen Personen wie Kranken, Schwangeren und Kindern verräuchert werden!



Fichte (Picea abies)


Anwendung:
Für Räucherungen an Samhain, Yule oder in den Raunächten werden das harte Fichtenharz, die getrockneten Nadeln und Zapfen sowie Holz und Rinde genutzt. In der Alpenregion wurde das Harz der Fichte – teilweise gemischt mit Kiefernharz – bereits früh als Ersatz für Weihrauch verwendet. Aus diesem Grund hat es den Beinamen „Waldweihrauch“.

Eigenschaften:
Fichtenharz verströmt beim Räuchern einen balsamischen, warmen und würzigen Duft. Der aufsteigende Rauch soll tief verborgene, alte Schmerzen an die Oberfläche bringen können. Der Fichte wird eine reinigende und beruhigende Wirkung nachgesagt, die dabei helfen kann, seelische Wunden zu heilen. Beim Räuchern öffnet sie das Herz und fördert die innere Klarheit.



Lavendel (Lavandula angustifolia)


Anwendung:
Der Echte Lavendel zeichnet sich durch seinen hohen Gehalt an ätherischem Öl aus, das seine Blüten zu einer wirkungsvollen Zutat in Kräutertees macht und für den blumig-würzigen Duft verantwortlich ist. Er findet sich außerdem in Duftkissen und -säckchen. Seit jeher wird die Pflanze zum Schutz gegen den Teufel oder den bösen Blick genutzt. Für Kinderschutzräucherungen und Räucherungen in Krankenzimmern bietet sie sich ebenfalls an.

Eigenschaften:
Der angenehme Duft der getrockneten Lavendelblüten wirkt beruhigend und entspannend und vertreibt schlechte Gedanken. Beim Verräuchern entfaltet sich die schützende, reinigende und segnende Wirkung des Lavendels.



Mistel (Visum album)


Anwendung:
Bei der Mistel handelt es sich um eine uralte Räucher- und Heilpflanze, die zum Orakeln, während der Raunächte und zur Kontaktaufnahme mit den Ahnen verwendet wird. Hierbei kommen die getrockneten Blätter, Stängel und Beeren zum Einsatz. Aufgrund ihrer vielseitigen Heilkraft wurde sie von keltischen Priestern als „Allheilmittel“ geschätzt – daher ihr Beiname Druidenfuß.

Eigenschaften:
Beim Räuchern entfaltet die Mistel einen angenehm krautig-würzigen Duft, der schützend und stärkend wirkt. Sie fördert positive Energien und hilft bei der Deutung von Träumen. Ferner wird ihr eine stärkende Wirkung auf die körpereigene Abwehrkraft zugeschrieben.

Hinweis: Achtung – die Beeren der Mistel sind giftig und dürfen nicht verzehrt werden! Mistel sollte nicht von empfindlichen Personen wie Kranken, Schwangeren und Kindern verräuchert werden!

Samhain, Allerheiligen & Allerseelen – Räuchern zur Ahnenzeit
Salbei, Lavendel und Beifuß

Salbei (Salvia officinalis)


Anwendung:
Zum Räuchern sind grundsätzlich die meisten Salbei-Arten geeignet (Näheres zum Weißen Salbei weiter unten). Schon die keltischen Druiden schrieben der Pflanze eine enorme Kraft zu – sie glaubten, Salbei könne Verstorbene „ins Leben zurückholen“. Heute wird das getrocknete Kraut für Hausräucherungen, an Samhain oder während der Raunächte verwendet.

Eigenschaften:
Der krautig-aromatische, würzige und harzige Rauch des Salbei ist klärend und reinigend. Beim Verräuchern vertreibt zudem unangenehme Küchengerüche und bringt neue Frische ins Krankenzimmer.



Thuje (Thuja occidentalis)


Anwendung:
Die Thuje ist eine altbewährte Räucherpflanze. In früheren Zeiten wurde sie in Tempeln und Totenzimmern verräuchert. Ihre getrockneten Triebspitzen werden gerne für Hausräucherungen verwendet. Als Symbol für Unsterblichkeit sowie für Leben und Tod ist sie häufig auf Friedhöfen zu finden.

Eigenschaften:
Die reinigende und harmonisierende Wirkung der Thuje macht sie in schwierigen Lebensphasen zu einem beliebten Räuchermittel. Bei Trauer soll sie die Kontaktaufnahme zu Verstorbenen erleichtern. Mit ihrem frischen, waldig-herben, leicht kampferartigen und würzigen Duft löst sie Blockaden und Konflikte.

Hinweis: Aufgrund des enthaltenen Thujons ist die Thuje leicht giftig – nicht oral einnehmen! Das Räuchern wird für empfindliche Personen (Kranke, Schwangere, Kinder) nicht empfohlen. Am besten im Freien verwenden.



Wacholder (Juniperus communis)


Anwendung:
Die getrockneten Nadeln, Triebspitzen, Zweige sowie das harte Harz und die aromatischen Beeren des Gemeinen Wacholders gelten als kraftvolles Räuchermittel. Wacholder hat als Heil- und Räucherpflanze eine lange Tradition und wird in den Alpen sowie darüber hinaus zur Meditation verwendet.

Eigenschaften:
Wacholder wird eine ausgeprägte Schutz- und Reinigungsfunktion nachgesagt. Sein Rauch soll negative Gedanken vertreiben, vor bösen Einflüssen schützen und Seelen ins Licht begleiten. Sein waldig-harziger Duft ist angenehm und kann desinfizierend wirken. Wacholder kann gut gegen Schnupfen oder Husten eingesetzt werden – er unterstützt das Durchatmen und reinigt die Raumluft von Keimen.



Weißer Salbei (Salvia apiana)


Anwendung:
In der Volksheilkunde ist Weißer Salbei lange bekannt – er wird bei Erkältungen und Entzündungen eingesetzt. Das getrocknete Kraut wird üblicherweise in Bündeln („Smudgesticks“) verräuchert. Oft findet Weißer Salbei Verwendung bei Reinigungszeremonien, bei Umzügen sowie beim energetischen Frühjahrsputz.

Eigenschaften:
Im Allgemeinen gilt der würzig-aromatisch und frisch duftende Weiße Salbei als reinigend, schützend und erhellend. Er soll negative Energien vertreiben, die Willenskraft stärken und ausgleichend wirken. Die nordamerikanischen Ureinwohner schreiben dem ihm eine frieden- und heilsbringende Wirkung zu.

Samhain, Allerheiligen & Allerseelen – Räuchern zur Ahnenzeit

Fazit


Die Schwellenzeit mag trist und düster erscheinen. Doch das Räuchern zu Samhain, Allerheiligen und Allerseelen bietet eine besondere Gelegenheit, sich mit dem Kreislauf der Natur und der Vergänglichkeit des Lebens auseinanderzusetzen.

Räucherpflanzen wie (Weißer) Salbei, Lavendel oder Wacholder schaffen eine angenehme, reinigende und schützende Atmosphäre – und bringen Licht und Klarheit in diese besonderen Tage.



Quellen:
Bäumler, S. (2021). Heilpflanzenpraxis Heute. Arzneipflanzenporträts, 3. Auflage, München.
Thöni-Kohler, M. (2022). Räuchern in den Alpen: altes Wissen und stärkende Rituale für alle Lebenslagen. Tyrolia-Verlag.

KOTTAS Produkttipps:
Räuchern zu Samhain, Allerheiligen & Allerseelen


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