Dezember 04, 2025

Die heiligen Raunächte

Die heiligen Raunächte

Räuchern in der stillsten Zeit des Jahres

Die Raunächte – jene stille Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag – gelten seit jeher als mystische Übergangsphase. Traditionell wird in diesen Nächten geräuchert, um Altes loszulassen, Neues kraftvoll willkommen zu heißen, Schutz zu erfahren und positive Energien einzuladen. Als stimmungsvolles Ritual begleitet das Räuchern Besinnung, Reinigung und den Neubeginn im Jahreskreis.

Doch was und wann sind die Raunächte? Wann beginnen sie und wie lange dauern sie? Welche Bräuche und Rituale werden in dieser Zeit vollzogen? Und wann ist die beste Zeit zum Räuchern? Diese und viele weitere spannende Fragen rund um die Raunächte beantworten wir im folgenden Blog.



Anfänge des Räucherns


Ursprünglich mag es Zufall gewesen sein, dass Harze, Früchte, Samen oder Blätter ins Feuer gerieten und ihre Aromen entfalteten. Jedenfalls begannen die Menschen irgendwann, gezielt nach Pflanzenteilen zu suchen und mit großer Neugier zu erproben, welchen Einfluss der Rauch auf Körper und Geist hat. Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein enormer Wissensschatz über das Räuchern, der in verschiedenen Kulturen über Jahrtausende mündlich oder schriftlich weitergegeben wurde.

In der Antike empfahlen Ärzte wie Dioskurides und Galen Räucherungen (lat. fumigationes) zu medizinischen Zwecken. So sollte etwa Rauch aus Mohnköpfen das Einschlafen erleichtern. Im Mittelalter machten sich Heilkundige die wohltuenden und gesundheitsfördernden Eigenschaften der beim Verräuchern freigesetzten Aromen zunutze. Zum Einsatz kamen aromatische Harze, Kräuter, Samen und Hölzer: Gegen Mücken (Gelsen) räucherte man beispielsweise mit Wermut, während das Holz und die Beeren des Wacholders zur Abwehr der Pest dienen sollten. Beim Ausräuchern von Pesthäusern verwendete man zusätzlich Myrrhe, Weihrauch, Bibernelle und Meisterwurz.


Geschichte der Raunächte


Die Raunächte haben ihren Ursprung in der vorchristlichen Zeit und gehen maßgeblich auf die uralten Bräuche der Kelten und Germanen zurück. In beiden Kulturkreisen betrachteten die Menschen die Tage rund um die Wintersonnenwende als kraftvolle Phase, in der die Ordnung der Welt ins Wanken gerät und die Grenzen zur „Anderswelt“ besonders durchlässig sind.

Für die Menschen im Alpenraum war und ist die Zeit „zwischen den Jahren“ eine zutiefst mystische Phase, die bis heute von Schutz- und Reinigungsritualen geprägt ist. In vielen Regionen glaubte man, dass die Wilde Jagd – ein Geisterzug übernatürlicher Jäger unter Führung der Perchta (Frau Holle) – in diesen Nächten durch die Winterlandschaft zieht. Mit reinigenden und segnenden Ritualen, Räucherungen und Lichtern versuchte man, diese dunklen Kräfte zu besänftigen.

Ein besonders wichtiger Brauch war das Ausräuchern von Haus und Hof. Es diente dem Schutz vor Unheil, der Reinigung sowie der Vorbereitung auf das neue Jahr. Viele Bergbauernfamilien, etwa in Kärnten und Tirol, setzen die alten Traditionen bis heute fort und nutzen die Zeit der Raunächte, um Stallungen und Wohnräume zu reinigen.


Wann sind die Raunächte?


Eine häufig gestellte Frage in diesem Zusammenhang lautet: Wie lange gehen die Raunächte und wann fangen sie an? Traditionell umfassen die Raunächte 12 heilige Nächte. Diese Zahl ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Sonnenjahr mit 365 Tagen und dem Mondjahr mit 353 Nächten. Die überschüssigen Tage wurden als eine Art Übergangszone verstanden, in der die gewohnte Ordnung stillsteht.

Der Beginn der Raunächte variiert regional. Je nach Zählweise beginnen die Raunächte entweder direkt zur Wintersonnenwende (Yule) in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember oder erst in der Weihnachtsnacht (24./25. Dezember). Ihr Ende finden sie in der Nacht zum 6. Jänner, dem Dreikönigstag.

In einigen Alpendörfern erstrecken sich die Raunächte über einen längeren Zeitraum – von Allerheiligen bis Maria Lichtmess. Andernorts gilt hingegen erst die Weihnachtsnacht als eigentliche erste Raunacht, während die Wintersonnenwende traditionell für einen gründlichen Hausputz genutzt wird.


Die wichtigsten Raunächte im Überblick:


Die vier wichtigsten Raunächte sind:

  • 21./22. Dezember – Wintersonnenwende (Yule / Thomasnacht)

  • 24./25. Dezember – Weihnachtsnacht (in vielen Regionen die erste Raunacht)

  • 31. Dezember /1. Jänner – Silvesternacht (Jahreswechsel)

  • 5./6. Jänner – Dreikönigsnacht (letzte Raunacht)

Die heiligen Raunächte

Praktiken und Rituale rund um die Raunächte


Heute wie früher nutzen viele Menschen die Zeit der Raunächte für bewusste Rückzugs- und Reinigungsrituale sowie für stille Momente der Einkehr:

  • Ruhe spüren, lange Spaziergänge, bewusstes Reflektieren

  • warme Bäder bei Kerzenschein

  • Räucherrituale mit aromatischen Kräutern, die Loslassen, Reinigung und Neubeginn unterstützen

  • alternativ: Kräutertees, deren Dampf eingeatmet wird und die langsam und bewusst genossen werden, z. B. unser KOTTAS Kräuterhaus Raunächte-Tee oder Tee zur Sonnenwende


Tipp: Das Kleine Räucherset aus dem KOTTAS Kräuterhaus vereint drei kraftvolle Räucherungen, die sich für alle Arten von Neubeginnen und Übergangsphasen – und somit auch optimal für die Zeit der Raunächte eignen.

Zum Räuchern wird meist Räucherkohle verwendet, die auf feuerfestem Untergrund glüht, anschließend werden die Kräuter aufgelegt. Eine ausführlichere Anleitung zum Räuchern finden Sie hier.



Wichtige Kräuter zum Räuchern in den Raunächten:


Beifuß (Artemisia vulgaris)


Beifußrauch gilt als schützend, reinigend, entspannend und wohltuend. Ihm wird nachgesagt, Prozesse der Selbstheilung anzuregen und die eigene Intuition zu fördern. Als Räuchermittel eignet sich das Kraut der Pflanze ideal für Übergangsrituale sowie für Phasen der Trauer. Daher wird es nicht nur in den Raunächten, sondern ebenso an Samhain verräuchert. Sein würzig-erdiger, leicht wacholderartiger Duft soll helfen, unerwünschte negative Energien zu vertreiben.

Hinweis: Beifuß sollte nicht von empfindlichen Personen wie Kranken, Schwangeren und Kindern verräuchert werden!


Johanniskraut (Hypericum perforatum)


Bekannt als bedeutende Heilpflanze zur Stimmungsaufhellung, entfaltet Johanniskraut beim Verräuchern beruhigende, angstlösende und stimmungsaufhellende Wirkungen. Sein süßlich-lieblicher Duft kann in Zeiten von Trauer und seelischer Belastung Trost spenden und eine harmonisierende Atmosphäre schaffen.


Mädesüß (Filipendula ulmaria)


Als klassisches Räucherkraut für Neuanfänge und Übergänge eignet sich das schützende, reinigende und segnende Mädesüß hervorragend für die Raunächte. Der krautig-würzig duftende Rauch hilft dabei, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken und die Belastungen der Vergangenheit hinter sich zu lassen.


Rosenblüten (Rosa)


Als Zutat von Räuchermischungen für die Raunächte sowie in Liebesräuchermischungen haben Rosenblätter eine lange Tradition. Ihr lieblich-blumiger Duft entspannt und belebt zugleich. Beim Verräuchern bringen die getrockneten Blütenblätter der Rose inneren Frieden und gute Laune, sie lindern Ängste und neutralisieren negative Energien.


Rosmarin (Rosmarinus officinalis)


Der beim Verräuchern würzig duftende Rosmarin wird traditionellerweise an Yule, für Liebesräucherungen und bei Trauer verwendet. Ihm werden herzöffnende, schützende und belebende Eigenschaften nachgesagt. Früher wurde er eingesetzt, um böse Geister zu vertreiben.


Salbei (Salvia officinalis)


Viele Arten von Salbei eignen sich zum Verräuchern, neben Salvia officinalis ist der Weiße Salbei überaus beliebt. Das getrocknete Kraut der Pflanze kommt bei Hausräucherungen und generell im Zuge der Raunächte sowie an Samhain zum Einsatz. Der angenehme krautig-aromatische Rauch wirkt reinigend und klärend.


Wacholder (Juniperus communis)


Die getrockneten Nadeln, Triebspitzen, Zweige, das harte Harz und die aromatischen Beeren des Gemeinen Wacholders gelten als kraftvolles Räuchermittel mit langer Tradition. Der Räucher- und Heilpflanze wird eine starke Schutz- und Reinigungswirkung nachgesagt. Ihr waldig-harzig duftender Rauch soll negative Gedanken vertreiben, vor bösen Einflüssen schützen und Seelen ins Licht begleiten.


Weihrauch (Boswellia)


Das harte Gummiharz verschiedener Boswellia-Bäume zeichnet sich durch seinen charakteristischen balsamischen und erfrischenden Duft aus. Als altbewährtes Räuchermittel findet der reinigende und segnende Weihrauch oft an Yule und in den Raunächten Verwendung.

Die heiligen Raunächte

Weitere klassische Kräuter, die sich zur Räucherung in den Raunächten eignen:



  • Orangenschale süß: aufmunternd, beseitigt Ängste, für Zuversicht

  • Jasminblüten: aphrodisierend, sinnlich, gegen Stress, für Zuversicht und Optimismus

  • Kornblume: aktiviert, schützt, beruhigt kreisende Gedanken

  • Lavendel: reinigt, beruhigt Körper und Seele, stärkt die Nerven

  • Orangeblüten: entspannen den Geist, wirken ausgleichend und schlaffördernd

  • Sandelholz: aphrodisierend, klärt Gedanken, gibt Energie

  • Schafgarbe: angenehm würzig duftend, schützt und beruhigt, für mehr Leichtigkeit

  • Styrax: süßlich duftend, harmonisierend, vertreibt negative Gedanken und sorgt für Entspannung

  • Zimtblüten: bringen Heiterkeit, Ausgeglichenheit, gute Laune



Räuchermischung für die Raunächte


Eine vom KOTTAS Kräuterhaus empfohlene Räuchermischung für die Raunächte umfasst:

  • 2 Teile Beifuß

  • 2 Teile Johanniskraut

  • 2 Teile Schafgarbe

  • 2 Teile Rosenblüten

  • 1 Teil Wacholderholz

  • 1 Teil Rosmarin

  • 1 Teil Weihrauch

  • 1 Teil Fichtenharz



Weitere empfehlenswerte Räucherungen für die Raunächte

Räuchermischung für die Hausreinigung mit Wacholderholz, Alantwurzel, Myrtenblätter und Ysop. Sie enthält Pflanzen wie Alant und Wacholder, denen ein reinigender Effekt nachgesagt wird.

Räuchermischung für Kraft und Zuversicht mit Fichtenharz, Elemi, Jasminweihrauch B.A., Katzenpfötchen, Meisterwurz, Wermut, Galgant, Königskerze und Styrax.

Reinigende Räuchermischung mit Thymian, Salbei, Wacholder gequetscht und Fichtenharz.


Quellen:
Hemet, R. (2019). „Wer jagt so spät durch Nacht und Wind?“ Eine Untersuchung der vorchristlichen Ursprünge der Wilden Jagd am Beispiel der kärntnerischen Sagen [Masterarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz]. https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/4431588?originalFilename=true

Koch, S. (2021). Tipps – Räuchern in den Rauhnächten. Heilpflanzen, 1(3), 85–87. https://doi.org/10.1055/a-1554-0994

Thöni-Kohler, M. (2022). Räuchern in den Alpen: altes Wissen und stärkende Rituale für alle Lebenslagen. Tyrolia-Verlag.

Räucherwerk für die Raunächte kaufen


Räuchermischungen, Räucherstäbchen und weiteres hochwertiges Räucherwerk für die Raunächte finden Sie im KOTTAS Kräuterhaus und in unserem Online-Shop.

FOLGE UNS AUF
   

KOTTAS Kräuterhaus
Freyung 7
A-1010 Wien

Öffnungszeiten
Mo - Fr 8:30 - 18:00
Sa 9:00 - 12:30
Telefon +43 1 533 9532
KOTTAS PHARMA GmbH - Firmenzentrale
Eitnergasse 8
A-1230 Wien
© 2026 KOTTAS PHARMA GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
KOTTAS Kräuterhaus
Freyung 7
A-1010 Wien

Öffnungszeiten
Mo - Fr 8:30 - 18:00
Sa 9:00 - 12:30
Telefon +43 1 533 9532

KOTTAS PHARMA GmbH - Firmenzentrale
Eitnergasse 8
A-1230 Wien

STANDORT & KONTAKT
APOTHEKEN
IMPRESSUM
DATENSCHUTZ
© 2026 KOTTAS PHARMA GmbH. Alle Rechte vorbehalten.