Februar 17, 2026

Hopfen (Humulus lupulus L.)

Hopfen (Humulus lupulus L.)

Österreichische Arzneipflanze des Jahres 2026

Hopfen und Malz – dieses Duo ist für viele Menschen der Inbegriff von Genuss. Doch Hopfen vermag mehr, als dem Bier seine herbe Note zu verleihen. Diesen Umstand würdigte die Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA), indem sie die heimische Kletterpflanze zur Arzneipflanze des Jahres 2026 kürte.

Das pharmakologische Wirkprofil von Hopfen ist breit gefächert. Am bekanntesten und mittlerweile am besten dokumentiert sind seine schlaffördernden und angstlösenden Eigenschaften. Darüber hinaus zeigt die Pflanze großes therapeutisches Potenzial in weiteren Anwendungsbereichen, etwa bei Beschwerden im gastrointestinalen Bereich oder bei neurodegenerativen Erkrankungen. Wie Hopfen wirkt, welche Inhaltsstoffe dafür verantwortlich sind, woher er stammt und vieles mehr erfahren Sie im folgenden Beitrag.



Botanik und Herkunft von Hopfen


Der Echte Hopfen (Humulus lupulus L.) ist einer der bekanntesten Vertreter der Pflanzenfamilie der Hanfgewächse (Cannabaceae) aus der Gattung Humulus. Insgesamt wird zwischen fünf verschiedenen Varietäten dieser Art unterschieden.

Heimisch ist der Echte Hopfen in Europa, Westasien und Teilen Nordafrikas, kultiviert wird er allerdings in vielen Ländern der gemäßigten Zone. In der Natur wächst er bevorzugt in feuchten Gebüschen, in Erlenbrüchen oder an Flussufern. Die ausdauernde, rechtsdrehende Schlingpflanze erreicht wildwachsend eine Höhe von 3 bis 6 Metern, in Kulturen wird sie sogar bis zu 12 Meter hoch.

Humulus lupulus ist zweihäusig: Männliche und weibliche Blüten wachsen an getrennten Pflanzen, zwittrige Exemplare sind selten. Die weiblichen Pflanzen bilden 2,5 bis 5 cm lange, zapfenförmige Fruchtstände aus, die als Hopfendolden oder Hopfenzapfen (Strobili) bezeichnet werden. Sie bestehen aus gelblich-grünen, überlappenden Hochblättern, die jeweils ein kleines trockenes Fruchtkorn (Achäne) umschließen. In den Lupulindrüsen an der Unterseite der Hochblätter bilden die reifen Zapfen ein grünlich- bis orangegelbes, klebriges Pulver, das reich an wertvollen Inhaltsstoffen ist. Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis September – für arzneiliche Zwecke werden die Zapfen erst im September geerntet, wenn sie nahezu ausgereift sind.

Hopfensamen sind klein, hart, sowie wasserabweisend und keimen sehr langsam. Die meisten kultivierten Sorten sind samenlos, da die Samen den Geschmack beeinträchtigen können. Für die Gewinnung der Arzneipflanze werden ausschließlich weibliche Pflanzen vegetativ vermehrt.



Geschichte


Die Ausbreitung des Hopfens über den europäischen Kontinent erfolgte nach der letzten Eiszeit. Innerhalb und außerhalb Europas hat die Pflanze eine lange Tradition. Seit prähistorischen Zeiten wird sie in der Volksmedizin und zu vielfältigen weiteren Zwecken genutzt. Dazu zählen zum Beispiel das Färben von Haaren, die Blutreinigung, die Herstellung von Stoffen und Papier sowie der Schutz vor Dämonen in der Nacht.

Über den Ursprung des Namens Humulus gibt es verschiedene Theorien, seine tatsächliche Etymologie bleibt unklar. Die lateinische Artbezeichnung lupulus bedeutet „kleiner Wolf“. Plinius der Ältere (ca. 24–79 n. Chr.) schrieb in seiner Historia Naturalis (ca. 77 n. Chr.), dass sich dieser Name auf die Klettergewohnheiten der Schlingpflanze bezieht, die andere Pflanzen wie Weiden oftmals überwucherte. Im alten Rom nutzten die Menschen den Hopfen bei Lebererkrankungen, Verdauungsstörungen und als Blutreinigungsmittel.

Das Brauen von Bier gilt als einer der frühesten biotechnologischen Prozesse der Menschheitsgeschichte. Wenngleich das grundlegende Verfahren bereits in der Antike dem heutigen ähnelte, wurde damals noch kein Hopfen verwendet, wodurch sich Geschmack und Charakter des Bieres deutlich unterschieden. Die erste bekannte Erwähnung von Hopfen im Zusammenhang mit dem Brauwesen findet sich im Jahr 736 n. Chr. in einem Klosterdokument aus der Hallertau in Bayern, welche bis heute als weltweit größtes Hopfenanbaugebiet gilt.

In den folgenden Jahrhunderten begannen Klöster in Frankreich und Belgien mit dem Anbau von Hopfen zur Bierherstellung. Um 1150 n. Chr. beschrieb Hildegard von Bingen in ihren Schriften das Bierbrauen, die antimikrobielle Wirkung des Hopfens sowie dessen positive Effekte auf Psyche und Magen.

Schon früh erkannte man die beruhigende Wirkung des Hopfens im arabischen Raum. Der Arzt Mesue nutzte die Heilpflanze im 11. Jahrhundert zu verschiedenen medizinischen Zwecken. Im 13. Jahrhundert entdeckte der Botaniker Ibn al-Baytar die beruhigende Wirkung von Hopfen und empfahl ihn zur Behandlung von Fieber sowie Erkrankungen der Milz, als Diuretikum und zur Entgiftung der Leber.

Im Mittelalter etablierte sich Hopfen als einziger Aromastoff im Bier. Diese Praxis wurde schließlich 1516 im bayerischen Reinheitsgebot festgeschrieben, demzufolge Bier nur aus Wasser, Malz (Gerste), Hopfen und Hefe bestehen darf. Auf dieser Grundlage entwickelte sich später das moderne Reinheitsgebot für in Deutschland gebrautes Bier.

Hopfen (Humulus lupulus L.)

Wirkstoffe von Hopfen


Ein wichtiger Bestandteil von Hopfen sind Harze – sie sind in den Zapfen zu 15 bis 30 % und in den Hopfendrüsen zu 50 bis 80 % enthalten. Zur Hälfte bestehen die Hopfenzapfen zudem aus dem Hopfenbitterstoff mit Humulon und Lupulon als Hauptkomponenten.

Weitere wichtige Inhaltsstoffe von Hopfen sind ätherisches Öl mit zahlreichen heilkräftigen Bestandteilen, darunter Myrcen, Humulen und Caryophyllen, sowie Gerbstoffe, Flavonole, Phenolcarbonsäuren und Chalkone.



Wie schmeckt Hopfen?


Aufgrund der reichlich enthaltenen Bitterstoffe weist Hopfen einen charakteristischen herben Geruch auf. Hopfendrüsen zeichnen sich durch eine würzig-bittere Note aus, während die Zapfen leicht kratzend schmecken. In Kräutertee-Mischungen wird der intensiv bittere Hopfen meist mit anderen Kräutern wie Melisse oder Lavendel kombiniert, sodass eine stimmige Komposition entsteht.



Hopfen Wirkung und Anwendung


Als Arzneimittel finden die getrockneten Hopfenzapfen (Lupuli flos, früher: Lupuli strobolus) der weiblichen Blütenstände und die daraus abgesiebten Hopfendrüsen Anwendung. Häufige Darreichungsformen sind Extrakte und Tinkturen sowie Fertigarzneimittel. Überdies wird die Arzneipflanze für Kräutertee-Mischungen verwendet.

Im Fokus des medizinischen Interesses stand lange vor allem die Verwendung von Hopfen als Sedativum (schlafförderndes Mittel). Bei Schlafstörungen zeigten sich in mehreren Studien Effekte wie eine deutliche Verkürzung der Einschlafzeit oder eine Verbesserung der Schlafqualität. Besonders in Kombination mit Baldrian (Valeriana officinalis) hat sich das bittere Hanfgewächs als überaus effektiv erwiesen. Derartige Kombinationspräparate haben sich seit langem bewährt.
Die zugrundeliegenden Wirkmechanismen sind bislang nicht vollständig bekannt. Wahrscheinlich sind die angstlösenden, beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften von Hopfen auf eine Beeinflussung des GABA-Systems (=Gamma-Aminobuttersäure) sowie eine Interaktion mit Melatonin- und Serotonin-Rezeptoren zurückzuführen.

Einige Untersuchungen liefern Hinweise auf eine antidepressive Wirkung. So zeigten sich bei einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie mit jungen Erwachsenen mit selbstberichteten Depressions-, Angst- und Stresssymptomen nach vierwöchiger Einnahme eines Hopfen-Trockenextrakts signifikante Verbesserungen in allen drei Symptomgruppen (Kyrou, Christou, Panagiotakos et al., 2017).

Weiters gut belegt sind die antimikrobiellen Eigenschaften von Hopfen. Die enthaltenen Lupulone wirken nachweislich antibakteriell, das Chalkon Xanthohumol zusätzlich antiviral und antioxidativ. Darüber hinaus konnte ein antiinflammatorischer Effekt nachgewiesen werden. Bei Beschwerden des gastrointestinalen Bereichs erwiesen sich Präparate mit Hopfen ebenfalls als wirksam.

Neuere Untersuchungen beschäftigen sich mit weiteren potenziell gesundheitsförderlichen Wirkungen von Humulus lupulus. Möglicherweise könnte eine Anwendung bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer sinnvoll sein. Überdies gibt es Hinweise auf eine positive Präventivwirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ferner könnte Hopfen mit seiner leicht östrogenartigen Wirkung bei moderaten Wechseljahrsbeschwerden unterstützend wirken. Insgesamt besteht in all diesen Bereichen aber weiterhin erheblicher Forschungsbedarf.

Im Bereich der Volksmedizin werden Hopfenkissen – oft gemischt mit anderen beruhigenden Kräutern – bei unruhigem Schlaf oder Einschlafbeschwerden eingesetzt. Ebenso wird Hopfen äußerlich zur Behandlung von Hautverletzungen genutzt.


Hopfen – Verwendung in der Brauindustrie


Im Jahr 2019 wurde 98 % der weltweiten Hopfenernte in der Brauindustrie verwendet. Die jährliche Hopfenproduktion umfasst weltweit ca. 180.000 Tonnen. Die größten Produzenten sind die Vereinigten Staaten (51.000 Tonnen), Deutschland (49.000 Tonnen) und Äthiopien (44.000 Tonnen).

Hopfen wird dem Bier im Zuge des Brauprozesses zugesetzt, um Geschmack, Aroma und Schaumbildung zu beeinflussen. Früher spielte dabei vorrangig die antibakterielle und konservierende Wirkung eine zentrale Rolle für die Haltbarkeit des Bieres. Durch verbesserte Brauverfahren, Pasteurisierung und optimierte Lagerbedingungen verlor dieser Aspekt ab Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung. Heute dient Hopfen in erster Linie dem charakteristischen herben Geschmack – die Haltbarkeit wird durch andere Verfahren sichergestellt. Ein zusätzlicher erwünschter Effekt ist, dass die Hopfensäuren dazu beitragen, den Schaum im Bier zu bilden und zu stabilisieren.


Nebenwirkungen von Hopfen


Hopfen gilt gemeinhin als gut verträglich, es sind keine Nebenwirkungen bekannt. Bei intensivem Kontakt mit Bestandteilen von frischen Zapfen – beispielsweise bei der Ernte oder der Verarbeitung von Hopfen – kann es jedoch zu einer Kontaktdermatitis („Hopfenpflücker-Krankheit“) kommen. Beim getrockneten Hopfen, der für Kräutertees und Extrakte verwendet wird, tritt die sogenannte Hopfendermatitis hingegen nicht auf, da der sensibilisierende Inhaltsstoff sich mit der Trocknung verflüchtigt.



Quellen:
Biendl, M. (2009). Hops and health. Technical Quarterly, 46(2), 416–421.
El-Chaghaby, G. A., Sevindik, E., Sevindik, M., Koçer, O., & Uysal, I. (2025). Humulus Species: A Traditional Medicinal Plant and Its Modern Pharmacological Importance. Prospects in Pharmaceutical Sciences, 2025 (Early Access). https://doi.org/10.56782/pps.388
Korpelainen, H., & Pietiläinen, M. (2021). Hop (Humulus lupulus L.): Traditional and Present Use, and Future Potential. Economic Botany, 75(3–4), 302–322. https://doi.org/10.1007/s12231-021-09528-1
Kyrou, I., Christou, A., Panagiotakos, D., Stefanaki, C., Skenderi, K., Katsana, K., & Tsigos, C. (2017). Effects of a hops (Humulus lupulus L.) dry extract supplement on self-reported depression, anxiety and stress levels in apparently healthy young adults: a randomized, placebo-controlled, double-blind, crossover pilot study. Hormones & Cancer, 16(2), 171–180. https://doi.org/10.14310/horm.2002.1738
Sun, S., Wang, X., Yuan, A., Liu, J., Li, Z., Xie, D., Zhang, H., Luo, W., Xu, H., Liu, J., Nie, C., & Zhang, H. (2022). Chemical constituents and bioactivities of hops (Humulus lupulus L.) and their effects on beer‐related microorganisms. Food and Energy Security, 11(2), n/a-n/a. https://doi.org/10.1002/fes3.367
Zanoli, P., & Zavatti, M. (2008). Pharmacognostic and pharmacological profile of Humulus lupulus L. Journal of Ethnopharmacology, 116(3), 383–396. https://doi.org/10.1016/j.jep.2008.01.011

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