Wirkstoffe von Hopfen
Ein wichtiger Bestandteil von Hopfen sind
Harze – sie sind in den Zapfen zu
15 bis 30 % und in den Hopfendrüsen zu
50 bis 80 % enthalten. Zur Hälfte bestehen die Hopfenzapfen zudem aus dem
Hopfenbitterstoff mit Humulon und Lupulon als Hauptkomponenten.
Weitere wichtige Inhaltsstoffe von Hopfen sind
ätherisches Öl mit zahlreichen heilkräftigen Bestandteilen, darunter Myrcen, Humulen und Caryophyllen, sowie Gerbstoffe, Flavonole, Phenolcarbonsäuren und Chalkone.
Wie schmeckt Hopfen?
Aufgrund der reichlich enthaltenen
Bitterstoffe weist Hopfen einen charakteristischen
herben Geruch auf. Hopfendrüsen zeichnen sich durch eine
würzig-bittere Note aus, während die Zapfen
leicht kratzend schmecken. In Kräutertee-Mischungen wird der intensiv bittere Hopfen meist mit anderen Kräutern wie Melisse oder Lavendel kombiniert, sodass eine
stimmige Komposition entsteht.
Hopfen Wirkung und Anwendung
Als Arzneimittel finden die getrockneten
Hopfenzapfen (Lupuli flos, früher: Lupuli strobolus) der weiblichen Blütenstände und die daraus abgesiebten Hopfendrüsen Anwendung. Häufige Darreichungsformen sind Extrakte und Tinkturen sowie Fertigarzneimittel. Überdies wird die Arzneipflanze für
Kräutertee-Mischungen verwendet.
Im Fokus des medizinischen Interesses stand lange vor allem die Verwendung von Hopfen als
Sedativum (schlafförderndes Mittel). Bei Schlafstörungen zeigten sich in mehreren Studien Effekte wie eine deutliche Verkürzung der Einschlafzeit oder eine Verbesserung der Schlafqualität. Besonders in Kombination mit Baldrian (
Valeriana officinalis) hat sich das bittere Hanfgewächs als überaus effektiv erwiesen. Derartige Kombinationspräparate haben sich seit langem bewährt.
Die zugrundeliegenden Wirkmechanismen sind bislang nicht vollständig bekannt. Wahrscheinlich sind die
angstlösenden, beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften von Hopfen auf eine Beeinflussung des GABA-Systems (=Gamma-Aminobuttersäure) sowie eine Interaktion mit Melatonin- und Serotonin-Rezeptoren zurückzuführen.
Einige Untersuchungen liefern Hinweise auf eine
antidepressive Wirkung. So zeigten sich bei einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie mit jungen Erwachsenen mit selbstberichteten Depressions-, Angst- und Stresssymptomen nach vierwöchiger Einnahme eines Hopfen-Trockenextrakts
signifikante Verbesserungen in allen drei Symptomgruppen (Kyrou, Christou, Panagiotakos et al., 2017).
Weiters gut belegt sind die
antimikrobiellen Eigenschaften von Hopfen. Die enthaltenen Lupulone wirken nachweislich
antibakteriell, das Chalkon Xanthohumol zusätzlich antiviral und antioxidativ. Darüber hinaus konnte ein
antiinflammatorischer Effekt nachgewiesen werden. Bei
Beschwerden des gastrointestinalen Bereichs erwiesen sich Präparate mit Hopfen ebenfalls als wirksam.
Neuere Untersuchungen beschäftigen sich mit weiteren potenziell gesundheitsförderlichen Wirkungen von
Humulus lupulus. Möglicherweise könnte eine Anwendung bei
neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer sinnvoll sein. Überdies gibt es Hinweise auf eine
positive Präventivwirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ferner könnte Hopfen mit seiner
leicht östrogenartigen Wirkung bei moderaten Wechseljahrsbeschwerden unterstützend wirken. Insgesamt besteht in all diesen Bereichen aber weiterhin erheblicher Forschungsbedarf.
Im Bereich der Volksmedizin werden
Hopfenkissen – oft gemischt mit anderen beruhigenden Kräutern – bei unruhigem Schlaf oder Einschlafbeschwerden eingesetzt. Ebenso wird Hopfen äußerlich zur
Behandlung von Hautverletzungen genutzt.
Hopfen – Verwendung in der Brauindustrie
Im Jahr 2019 wurde
98 % der weltweiten Hopfenernte in der
Brauindustrie verwendet. Die jährliche Hopfenproduktion umfasst weltweit ca.
180.000 Tonnen. Die größten Produzenten sind die Vereinigten Staaten (51.000 Tonnen), Deutschland (49.000 Tonnen) und Äthiopien (44.000 Tonnen).
Hopfen wird dem Bier im Zuge des Brauprozesses zugesetzt, um
Geschmack, Aroma und Schaumbildung zu beeinflussen. Früher spielte dabei vorrangig die
antibakterielle und konservierende Wirkung eine zentrale Rolle für die Haltbarkeit des Bieres. Durch verbesserte Brauverfahren, Pasteurisierung und optimierte Lagerbedingungen verlor dieser Aspekt ab Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung. Heute dient Hopfen in erster Linie dem
charakteristischen herben Geschmack – die Haltbarkeit wird durch andere Verfahren sichergestellt. Ein zusätzlicher erwünschter Effekt ist, dass die Hopfensäuren dazu beitragen, den
Schaum im Bier zu bilden und zu stabilisieren.
Nebenwirkungen von Hopfen
Hopfen gilt gemeinhin als
gut verträglich, es sind keine Nebenwirkungen bekannt. Bei intensivem Kontakt mit Bestandteilen von frischen Zapfen – beispielsweise bei der Ernte oder der Verarbeitung von Hopfen – kann es jedoch zu einer
Kontaktdermatitis („Hopfenpflücker-Krankheit“) kommen. Beim getrockneten Hopfen, der für Kräutertees und Extrakte verwendet wird, tritt die sogenannte
Hopfendermatitis hingegen nicht auf, da der sensibilisierende Inhaltsstoff sich mit der Trocknung verflüchtigt.
Quellen:
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